DYNAMISCHE INNOVATIONSKULTUR ALS VORAUSSETZUNG FÜR WIRKLICH NEUES


BRAND+ Dynamische Innovationskultur

Sätze wie diese hören wir in unserer Beratungspraxis bei BRAND+ oft: „So haben wir das immer schon gemacht, Experimente können wir uns nicht leisten.“, „die Strategie erarbeiten wir im Vorstand, wir sind schließlich kein basisdemokratischer Verein.“, „Der Markt sagt uns wo es lang geht.“, „innoviert wird, was der Kunde will.“, „Wir leben vom Verkauf, die Marke spielt in unserem Business eine untergeordnete Rolle.“ Es gäbe hierfür noch unzählige Beispiele, die für Begrenztheit im Denken symptomatisch sind. Begrenztheit im Denken führt unweigerlich zu Begrenztheit im Handeln.

Um zu einer dynamischen Innovationskultur als Voraussetzung für erfolgreiche Innovation zu gelangen, sind die bisherigen Denkmuster im Unternehmen zu hinterfragen. Wenn sie sich als zu starr erweisen, sind sie durch neue zu ersetzen.

Dieser Artikel ist der 2. Teil einer dreiteiligen Serie zum Themenkomplex Marken-Innovation. Den ersten Teil finden Sie hier: https://www.brand-plus.at/single-post/Erfolgreich-Innovieren-Teil-1

1. THESE:

Wahre Innovation erfordert Mut

In Anbetracht des Wettbewerbsdrucks aus verschiedenen Richtungen müssen sich Unternehmen heute trauen groß zu denken. Das erfordert Köpfchen, Selbstbestimmtheit und vor allem Mut. Damit einher sollten zwei Haltungen bzw. Strategien gehen: „Taking the Risk“ & „Breaking the Rules“. Jedoch sind zu viele Unternehmen eher Weltmeister in „Minimising the Risk“ & „Making the Rules“. Wer sich täglich nur auf das unmittelbare Doing beschränkt, ist unempfänglich für wahrhaft Neues. Wenn alle Branchenplayer das Gleiche sehen, machen sie es auch alle gleich. Doch die Notwendigkeit des Befolgens der Branchenlogik ist ein Mythos bzw. sollte nicht als Gesetz hingenommen werden. Ihr ist nur der hörig, der zu schwach ist in Dimensionen von Andersartigkeit zu denken.

BRAND+ Rule Breaker

Quelle: BRAND+

Hier drei Beispiele für wahre Rule Breaker: easyjet, Mini und Zara. easyjet hatte erkannt, dass Flüge Wohlhabenden vorbehalten sind. Deshalb hat sich das Unternehmen durch eine entsprechende Preispolitik dazu entschieden diesen Komfort jedermann zugänglich zu machen. Die Anschaffung eines Kleinwagens ist normalerweise nicht sexy. Mini hingegen setzt auf Emotionalisierung und realisiert damit ein ordentliches Preispremium. Die Modewelt hat ihre eigene Logik: Alles dreht sich um saisonale Kollektionen und Designer. Nicht bei Zara: Die Welt wird bunter und attraktiver mit Variantenreichtum zu niedrigen Preisen.

Beispiel Zirkusbranche. Auf die weltweite Rezession reagieren alle Zirkusse im Einklang mit der dominanten Branchenlogik: Tiernummern werden noch spektakulärer, man investiert in noch größere Zelte, setzt auf noch berühmtere Clowns und erweitert das Sortiment um noch mehr Knabbereien und Soft Drinks. Folgen: Die Kosten steigen, die Tierschützer machen mobil, alle sind im Mittelmaß gefangen. Kollektive Gleichschaltung. Anders die Marke Cirque du Soleil, die ihren Ursprung in der kanadischen Straßenkleinkunst hat: Sie wollte nie ein Zirkus unter vielen sein, stattdessen eine hochanspruchsvolle Entertainment-Alternative im Abendprogramm. Als Hybrid aus artistischer Akrobatik, Theater und Musical steht Cirque du Soleil nicht im Wettbewerb mit Zirkussen, sondern vielmehr mit Restaurants, Casinos, Opernhäusern und Freizeitparks. Aufgrund ihres andersartigen Geschäftsmodells hat die Marke über die Jahre einen Glamourfaktor entwickelt, der dem Unternehmen Ticketpreise von 100 bis 300 Euro beschert.

Dass Andersdenken in der Praxis schwer fällt, zeigt ein in den U.S.A. durchgeführter Test. Die Frage lautete: „Wozu kann man eine Büroklammer benutzen?“ Die Probanden wurden angeleitet hierfür mindestens 100 Antworten zu finden. Die eindeutigen Sieger in diesem Kreativitätscontest waren Kindergartenkinder. 98% von ihnen brachten es auf über 100 Antworten. Platz 2: die 10-jährigen Kinder mit 32%, gefolgt von den 15-jährigen Kindern mit 12%. Als absolute Verlierer stellten sich die Erwachsenen heraus. Lediglich 2% brachten die Fantasie für über 100 Verwendungszwecke einer Büroklammer auf. Denken Sie selbst doch auch mal darüber nach, wieviele Antworten fallen Ihnen ein? Dieser Test zeigt, dass unser Weltbild mit der Zeit immer enger wird. Je älter wir werden, desto stärker ist unser Hang zum Gewohnten und zur bequemen Vereinfachung.