DAS UNSYMPATHISCHE JAHR 2020

Was wir lernen mussten. Oder durften.

Man kann 2020 nicht schönreden: Die Ereignisse haben in ihrer negativen Qualität alles übertroffen und uns als Menschen in einen Ohnmachtsraum zwischen unfreiwilligem Verzicht und Wahrnehmungszugewinn verschoben. Dabei haben wir dennoch vieles gelernt: Zum Beispiel, dass es Kräfte gibt, die nicht unserem direkten Willen gehorchen. Nennen wir sie Natur oder Machtpolitik. Wir haben auch gelernt, dass wir uns ganz zurückgezogen auf dem individualistischen Ego-Trip gar nicht besser fühlen als in normalen Alltagssituationen mit anderen.


Gleichzeitig haben sich auch viele Fragen aufgetan: Warum heißt der Mund-Nasen-Schutz, das wichtigste Accessoire des Jahres 2020, “Mund-Nasen-Schutz", wenn er doch weder Mund noch Nase schützt? Warum bleiben Lokale, Theater oder Fußballstadien geschlossen, wenn sich in der U-Bahn bei geschlossenem Fenster die Menschen Stapeln? Und in welcher Welt ist es möglich, dass Fakes mehr wiegen als Wahrheit?


Zahlreiche Geschehnisse in diesem Jahr betrafen und betreffen uns nachteilig, dennoch wohnt vielem – wenn auch meist nur auf den zweiten Blick – Lernpotenzial und Chance inne. Lassen wir vor diesem Hintergrund also jene Ereignisse Revue passieren, die die Welt 2020 am meisten prägten.


Die CORONA-Geißel. Selbstreinigungsreflex der Natur für ein besseres Menschsein.


Wie kaum etwas davor legte die Seuche mit dem Namen “Covid-19”, der an einen Cybertech-Virus von einem anderen Stern erinnert, die Welt lahm. Die Bilder, Nachrichten und Schicksale haben sich in uns eingebrannt und viel zu viele Menschen fielen und fallen der Pandemie gesundheitlich oder wirtschaftlich zum Opfer.


Haben wir Menschen der Natur zu viele Verletzungen zugefügt, dass sie nun aus einem Selbstreinigungsreflex heraus den Planeten von uns säubert und uns gnadenlos ihr Prinzip aufdrängt? Vielleicht muss sie einen Moment wieder frei atmen können, etwas befreit von uns sein. Damit wir zur Besinnung kommen und dann wieder “richtig” mit ihr umgehen und anders handeln.


Die in den Lockdowns unfreiwillig verordnete Ruhe war für uns zunächst befremdlich, doch hat sie in uns auch zu Kontemplation, Rückbesinnung und familiärem Wiedererwachen geführt. Wir stellen überkommende Büroroutinen in Frage und lassen das Verschwimmen der Grenzen des beruflichen und privaten Raums zu (Stichwort “Homeoffice”). Da die Unternehmen nicht viel Zeit hatten, mussten sie schnell reagieren und dadurch konnte das wichtige Thema der Digitalisierung flächendeckend Realität werden.


Lessons Learned: Nicht die Natur braucht uns, wir brauchen die Natur. Wenn wir Nähe haben, wollen wir Abstand; wenn wir Abstand haben, vermissen wir die Nähe. Dennoch: Kollektiv-Instinkt schlägt Individualismus-Geilheit. Manchmal ergibt sich gerade dann der richtige Zeitpunkt, wenn wenig Zeit vorhanden ist.


Chance: Wenn wir jene Entschlossenheit und Konformität, die wir in der Corona-Krise an den Tag legen, auf die Klimakatastrophe anwenden, könnten wir sie stoppen. Dafür bräuchte es ein Bewusstsein für eine Kultur der Verträglichkeit, an der wir auch dann noch festhalten, wenn das Gröbste überstanden ist. Da der Mensch sich jedoch immer eher dem Dringlichem als dem Wichtigen zuwendet, darf man daran zweifeln. Wir sollten die Krise als Möglichkeit zur Reflexion nutzen - über sich selbst, die Welt, Solidarität und das Konzept Liebe. Empathie ist der soziale Bindungsstoff in der post-egozentrierten Gesellschaft. Und: Lassen wir neue Formen des Miteinander und des Arbeitens zu.


Trump. Der narzisstische Virus, der die ganze Welt beschäftigte.


Kein Präsident in der US-amerikanischen Geschichte hat den Staatenbund derart für seine Eigeninszenierung instrumentiert wie Donald J. Trump. Um seine Aktionen zu einem innen- und außenpolitischen Permanent-Wahlkampf zu machen, ist dem twitternden Nobelprolo jedes Mittel recht. Die Sachpolitik spielt da eine untergeordnete Rolle. Und das praktiziert er auch jetzt noch wo die Wahl längst verloren ist.


Trump lässt jeden öffentlichen Auftritt zu einem unberechenbaren Medienspektakel mit offenem, meist peinlichem Ausgang werden. Verblüffenderweise ist ihm die eigene Peinli